Die Orangen des Präsidenten | ABBAS KHIDER

Abbas Khider

Die Orangen des Präsidenten

20. Juli 2011

Textrevolte - Eine Reihe zu Literatur und Politik

Nasrija, Irak 1989: Am Tag der letzten Abiturprüfung wird Mahdi zu einem Ausflug eingeladen. Sein Klassenkamerad Ali hat sich ein Auto ausgeliehen, und die beiden wollen das Ende der Schulzeit feiern. Doch es ist das falsche Auto, und Ali kennt die falschen Leute – die beiden werden ohne Anklage und Prozess inhaftiert. Mahdi stehen zwei Jahre Gefängnisalltag bevor, Hunger, Folter, Grausamkeiten, Zynismus: Zum Geburtstag Saddam Husseins wird den Häftlingen eine Amnestie in Aussicht gestellt – doch dann bekommt jeder nur eine Orange als Geschenk.

Mahdi rettet sich in dieser Hölle durch seine Begabung zum Geschichtenerzählen. Drastisch, tragikomisch und ergreifend berichtet er Episoden aus seiner Kindheit und Jugend, besonders von der Freundschaft mit dem Taubenzüchter Sami und dem Geschichtslehrer und Literaturübersetzer Razaq.

Der Roman lässt ein eindrucksvolles Bild des Irak der achtziger und neunziger Jahre entstehen. Nach seinem preisgekrönten und viel beachteten Debüt „Der falsche Inder“ legt Abbas Khider seinen zweiten Roman vor. Es ist ein Buch, das Brücken baut zu einem Land, das uns in den Nachrichten täglich begegnet, das wir aber ohne Werke wie dieses weniger verstehen würden.

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund „politischer Gründe“ und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Lyrik in verschiedenen Publikationen. 2009 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, 2010 wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis geehrt Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin.

Eine Kooperation von LiteraturBüro Ruhr e.V. Gladbeck und dem Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr