Romantic Afternoon* | Billinger/Schulz

Foto: Jung Yun Ludvig

10. & 11. 02.2012

Küsse in der Öffentlichkeit sind nah, innig, distanzlos, flüchtig, leidenschaftlich. Wir schauen zu und beobachten an uns selbst: spontane Einfühlung, Voyeurismus, Scham, Abwehr, Schmunzeln. Wir werden berührt, deuten Haltungen, vermuten Gefühle. Die Küsse werden zu Zeichen, die wir lesen, aber nicht entziffern können. Wir bleiben zurück mit Vermutungen über Fremde, einem physischen Eindruck und unserer uneindeutigen Reaktion.

Romantic Afternoon ist eine Choreographie für eine Gruppe von sechs Menschen, die sich ununterbrochen küssen. Sie schlingen die Arme umeinander, halten sich fest, wechseln Positionen und Partner*innen. Sie benutzen Gesten für Emotionen, die nicht da sind, nehmen Haltungen äußerlich ein und simulieren Intimität. Sie produzieren künstliche Affekte und erzeugen so Verhältnisse, die jeglicher Gefühle und Sicherheiten entbehren.
Als exzessive Ausdrucksmaschine bedient sich Romantic Afternoon der Mechanismen einer inszenierenden und inszenierten Öffentlichkeit und fragt dabei nach den Bedingungen der Möglichkeit echter Gefühle.

Konzept/Choreographie Verena Billinger & Sebastian Schulz von und mit Jung Yun Bae, Ludvig Daae, Tümay Kılınçel, Robert Redmer, Juli Reinartz, Uri Turkenich

 

Produziert im Rahmen von „FREISCHWIMMER 2011. Neues aus Theater, Performance und Live Art. Rückzug ins Öffentliche“.
Gefördert von der Crespo Foundation, aus Mitteln des Kulturamtes Gießen, der Stiftung van Meeteren und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.