ANONYMOUS P. | Chris Kondek & Christiane Kühl

Foto: Robin Junicke

18. Juni 2015 | 19.30 Uhr
19. Juni 2016 | 21.30 Uhr

Im Rahmen des Impulse Theaterfestival 2015

Prometheus stahl den Göttern das Feuer, ein mächtiges Werkzeug, das diese gern für sich behalten hätten. Entsprechend zornig verbannten sie ihn an einen Felsen im Kaukasus. „Anonymous P.“ stahl den Mächtigen Daten, gewaltige Instrumente, die diese mit den Menschen nicht teilen wollten. Zornig verbannten sie ihn in den Transitbereich des Moskauer Flughafens, in eine Botschaft in London, in ein Militärgefängnis in Fort Meade. Doch wie Prometheus’ vom Adler zerfleischte Leber, wachsen auch die Daten permanent nach.

Facebook weiß, wer du bist. Dein Handy weiß, wo du bist. Google weiß, was du denkst. Und PRISM weiß alles. Wo Straßenlaternen Passanten filmen, 3-D-Gesichtserkennung längst Alltag ist und sich Drohnen ein Bild von allem machen, braucht es neue Helden im Kampf gegen die Macht. Prometheus brachte den Menschen das Licht. Angesichts der totalen Transparenz kann das Geschenk von P. heute nur die Dunkelheit der Anonymität sein.

Die gewieft spielerische Performance-Installation Anonymous P. verschränkt Strategien der Geheimdienste, den Datenhandel kommerzieller Unternehmen, unsere Bereitschaft zur Preisgabe intimster Informationen mit modernen Heldengeschichten und der großen Fiktion der Gegenwart: Privatsphäre. Unterstützt von IT-Spezialisten verwandeln Chris Kondek & Christiane Kühl das Impulse Theater Festival in eine interaktive Hackerzentrale, in ein Trainingscamp für Verdunklungswillige.

Chris Kondek, geboren 1962 in Boston, experimentiert erstmals Mitte der Achtzigerjahre in der New Yorker Theaterszene mit Videos. Anfangs ist er als „Lichtdesigner“ beschäftigt – der Begriff „Videokünstler“ hat sich noch nicht etabliert. Seit 1999 lebt Kondek in Berlin.

Christiane Kühl, geboren 1966 in Kiel, studierte Germanistik, Philosophie und Spanisch an der Universität Hamburg. Von 1996 bis 2006 war sie Kulturredakteurin der Tageszeitung taz, des KulturSPIEGEL sowie aktuelle Redakteurin bei radioeins des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RBB. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Redakteurin mit Themenschwerpunkt Theater und betreut redaktionell Publikationen. Als Jurymitglied war sie u.a. für das internationale polnische Theaterfestival „Kontakt“, den Heidelberger Stückemarkt sowie für den Berliner Hauptstadtkulturfonds tätig.

Seit 2004 entwickeln Chris Kondek und Christiane Kühl gemeinsame Produktionen. Dead Cat Bounce wurde beim Festival Politik im Freien Theater 2005 vom Goethe-Institut und dem ZDF-Theaterkanal ausgezeichnet. Als Gastspiel war es u.a. in Tel Aviv, Moskau, Tokio und Shanghai zu sehen. Hier ist der Apparat entstand 2006 am Hebbel am Ufer, Berlin und an der Rotterdamse Schouwburg. Anfang 2010 entwickeln sie an den Münchner Kammerspielen Übermorgen ist zweifelhaft / 2012, ein Stück über radikale Zeitwenden.

 

Ein Projekt von: Chris Kondek & Christiane Kühl Performance / Texte: Phil Hayes, Chris Kondek, Christiane Kühl Programmierung / Performance: Nathan Andrew Fain, delete.us.com Bühne / Kostüm: Sonja Füsti Musik: Hannes Strobl Video: Matthias Gubler [bildstörung] Licht: Ursula Degen / Marc Zeuske Regieassistenz: Julia Znoj Produktionsleitung: Hannah Pfurtscheller Mitarbeit Bühne & Kostüm: Petra Kenneth, Katharina Meier Tourmanagement: doublelucky productions

Eine Produktion von Chris Kondek & Christiane Kühl in Koproduktion mit Festspiele Zürich, Gessnerallee Zürich, Ringlokschuppen Ruhr, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, Staatstheater Darmstadt. Unterstützt durch Stadt Zürich Kultur.