HAGAR | kainkollektiv

Foto aus 54. STADT / IM WESTEN NEUES (2014): Stephan Glagla

Herbst 2017

Hagar, „die Fremde“, ist eine für Christentum, Judentum und Islam gleichermaßen wichtige Figur. Als ägyptische Magd und Neben-Frau Abrahams gebiert sie diesem einen Sohn, Ismael, während Abraham mit seiner Frau Sara kinderlos bleibt. Als Sara doch schwanger wird und Isaak gebiert, werden Hagar und Ismael verstoßen und fliehen in die Wüste. Ismael, Stammvater der Araber, wird Prophet der islamischen, Isaak Protagonist der jüdisch-christlichen Welt – die Entstehung der drei Weltreligionen als verwickelte Familiengeschichte.

In Kooperation mit Kulturvereinen, Chören und Gemeinden verschiedener Konfessionen und Nationalitäten im Ruhrgebiet entwickelt kainkollektiv eine zeitgenössische Globe Opera: Zwischen szenischem Konzert und Opern-Performance werden in Hagar die Theaterräume zu Versammlungsstätten, in denen sich die lokal-globale Weltfamilie (des Ruhrgebiets) selbst begegnet. Was heißt es heute, in der Ruhrstadt zusammen zu leben, zu singen, zu beten? Während die Verwicklungen der Gegenwart ins Unabsehbare wuchern, inszeniert kainkollektiv ein Familienfest unter fremden Verwandten und entfernten Nachbar*innen. Hagar ist die Schutzpatronin dieser Zusammenkunft, in der die lokale Weltgesellschaft zu sich selbst kommt, indem sie sich fremd wird: Welcome home, all you beautiful strangers!

Das international arbeitende Künstler*innen-Team kainkollektiv arbeitet seit 2004 in unterschiedlichen Kollaborationen an theatralen Partituren zwischen Theater, Installation und Performance. Seit einigen Jahren recherchiert, entwickelt, kompiliert und inszeniert kainkollektiv primär eigene Texte und Szenarien und produziert national und international Performances, Installationen, Ausstellungen und Theaterinszenierungen. kainkollektiv arbeitet beständig an seiner eigenen Öffnung, Zerstreuung und Erweiterung durch engeren oder loseren Einbezug unterschiedlicher Künstler*innen: den mit uns kollaborierenden Zeit-Genoss*innen. Darüber hinaus kollaborieren die kainkollektivistInnen beständig mit unterschiedlichen KünstlerInnen, Gruppen und Häusern aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst und Neue Medien. Diese Kollaborationen sind einem Theater der Zeit-Genossenschaft verschrieben, in dem das Zeitgenössische keine bloße Zuschreibung ist, sondern selbst zur Disposition steht und den immer wieder neu zu sondierenden Grund der eigenen Forschung und Arbeit darstellt: WIR MÜSSEN DIE GEGENWART SO LANGE NEU ERFINDEN, BIS SIE HERAUSGIBT, WAS AN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT VON IHR VERSCHLUCKT WORDEN IST! Seit 2012 erhält die Gruppe die Spitzenförderung Theater des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und von 2015-2017 die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V.

 

Eine Produktion von kainkollektiv in Koproduktion mit Schauspielhaus Bochum und Ringlokschuppen Ruhr.