MUTTER COURAGE III | Marta Górnicka

Foto aus M(OTHER) COURAGE (2015): Volker Beinhorn

2017

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„Das moderne Drama hat mit der antiken Tradition des Chores gebrochen und sich damit einer Dimension des Tragischen beraubt. Wir müssen den Chor wieder auf die Bühne holen und neue Formen des Theaters für und mit ihm entwickeln. Einen Chor, der schreit, flüstert, singt und Worte wie Musik behandelt“, wünscht sich die junge polnische Regisseurin Marta Górnicka. Für ihre Chorarbeiten entwickelt sie Libretti, die aus unterschiedlichen literarischen Texten collagiert werden, verbunden und kontrastiert mit philosophischen und soziologischen Texten sowie Zitaten der Umgangssprache, der Werbung, des Kinos und der Popliteratur. Eine Collage, die zum Dokument der Zeit wird.

Nach drei Gastspielen (Chór Kobiet, Magnificat, 2011, M(Other) Courage, 2015) und einer Koproduktion (Requiemachine, 2013) plant der Ringlokschuppen Ruhr im kommenden Jahr eine weitere Zusammenarbeit mit Marta Górnicka als dritten Teil einer Trilogie , die sich assoziativ um Brechts Mutter Courage dreht. Für den ersten Teil, Mutter Courage wird nicht schweigen, der im Herbst 2014 im Museum für Moderne Kunst in Tel Aviv zur Aufführung kam, lud die Regisseurin 60 Laiendarsteller*innen ein – darunter arabische und jüdische Mütter, israelische Soldaten sowie palästinensische Kinder –, um sprachliche und musikalische Ausdrucksmöglichkeiten für extreme Affekte in einer lang anhaltenden Konfliktsituation zu finden. Im zweiten Teil der Trilogie M(Other) Courage, der 2015 am Staatstheater Braunschweig entstand und den der Ringlokschuppen als Gastspiel im Dezember 2015 zeigte, porträtierte Górnicka Bilder einer deutschen Migrationsgesellschaft im Übergang: Angela Merkel als europäische Übermutter.

Im dritten Teil der Trilogie, der 2018 am Teatr Rozmaitości in Warschau Premiere feiert, geht es um die neue Salonfähigkeit von Rassismus in der sogenannten Mitte europäischer Gesellschaften und den konsequenten Zerfall der Idee Europa.

 

Eine Produktion von Marta Górnicka in Koproduktion mit TR Warszawa (PL) und Ringlokschuppen Ruhr.