traces of:FATZER_vol.2

traces of:FATZER_vol.2

Internationale Jugendkultur-Begegnung

mit Jugendlichen aus Mülheim und den Partnerstädten Beykoz/Istanbul (TR), Darlington (GB), Kuusankoski (FIN), Opole (PL) und Tours (F)

Das dreijährige internationale Jugendprojekt "traces of:FATZER" drehte sich im Sommer 2009 um das neue Menschenbild, das Bertolt Brecht in seinem Stück "Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer" skizziert hat, um den sogenannten „Massemensch“. Im Unterschied zum früheren Menschenbild, das bis zum Durchbruch der klassischen Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem weitgehend autonom und selbstbestimmt handelnden Individuum ausging, entwarf Brecht im „Fatzer“ in den 1920er Jahren ein neues Menschenbild, das auch unserer heutigen Lebenserfahrung noch recht nahe kommt: Sein Mensch ist bestimmt durch die Spannungen, die sich aus seiner Individualität einerseits und seiner sozialen Realität als Teil einer „Massen“-Gesellschaft andererseits ergeben.

Künstlerische Leitung Martin Kreidt
Workshops Kornelius Heidebrecht, Gudrun Lange, Mirjam Schmuck und Ina Theißen
Bühne Stephan Rändel
Kostüme Anne Bentgens

 

Die Workshops mit professionellen Künstlern aus den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Chorsprechen, die in den zwei Wochen vom 25.07. bis zum 09.08.2009 stattgefunden haben, befassten sich mit Massenphänomenen sowie deren Einfluss auf unsere Persönlichkeit.

Wir wollten uns konfrontieren mit Produkten, die es fast in der ganzen Welt zu kaufen gibt, mit Werbung, die zum Kauf dieser Produkte aufruft, mit Sport, bei dem Milliarden von Menschen vor den Fernsehgeräten mitfiebern und mit Lebensmitteln, die überall gleich schmecken.
Wir setzten uns mit Bild- und Textsprachen auseinander, die kommerzielle und politische Inhalte transportieren, die sich an die Masse richten.

Wo früher Ein Mensch war und ein anderer
Da ist jetzt die Masse, ein
Massemensch und es bleibt alles
Zusammen

(Bertolt Brecht „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“)

Individualität, Selbstverwirklichung und persönliche Freiheit gelten heute als wichtige Voraussetzungen für die Entfaltung unseres Selbst. Unser Handy oder unser Computer sind jeweils für und ganz persönlich konfiguriert und damit Ausdruck unserer Individualität. Aber wie viele Millionen Menschen benutzen das gleiche Telefon? Welcher Teil unseres Computers ist von mir? Wer sind wir? Wer wären wir ohne unsere Marken-Turnschuhe oder ohne unsere myspace-Seite? Was wollen wir wirklich? Oder sollen wir nur denken, dass wir etwas wollen?

Teilgenommen haben Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 16 bis 26 Jahren, die Lust hatten, internationale Kontakte zu knüpfen und sich für Kunst und Theater interessieren.

Fragen zum Projekt “traces of:FATZER_vol.2“ an Anna Koch (Theaterpädagogik), +49 208 99316-72

"traces of:FATZER_vol.2" wird veranstaltet von Kultur im Ringlokschuppen e.V., dem Verein zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Mülheim an der Ruhr e.V., den Ämtern für Ratsangelegenheiten und Bürgerinformation sowie Kinder, Jugend und Schule der Stadt Mülheim im Rahmen von TWINS2010