Der Soldat – ein Übergangsritual
Julian Warner
Der Schwarze Künstler als Soldat: Provokante Befragung des Theaterbetriebs nach Frantz Fanon – mit Schlagzeug und Akkordeon.
Ein Schwarzer Künstler stellt fest, dass er zum Soldaten geworden ist. Als Kunstarbeiter betritt er die Bühne – im Kampf um Repräsentation und Ressourcen erhält er eine Waffe und lernt, dass auch in der Kunst gilt: Die Befreiung der Okkupierten ist gleichzeitig der Schrecken der Besatzer. Doch ist Kulturkampf Krieg? Wenige haben so klar über die Gewalt in einer zersplitterten Welt geschrieben wie Frantz Omar Fanon, dessen Geburtstag sich 2025 zum 100. Mal jährte. Der antikoloniale Vordenker war überzeugt, dass die Entmenschlichung durch den europäischen Kolonialismus nicht durch Kompromisse überwunden werden könne, sondern nur durch seine Zerstörung. Fanons Rechtfertigung antikolonialer Gewalt wurde von Linken weltweit rezipiert, von der Black Panther Party bis zur RAF, und wird bis heute kontrovers diskutiert. Wann und in welchem Kontext ist es notwendig, Gewalt oder ihre Abwehr zu organisieren? „Der Soldat“ verknüpft die Erkenntnisse des Psychiaters und Marxisten aus Martinique, der erst in der französischen Armee gegen Nazideutschland, und später in der algerischen Befreiungsbewegung kämpfte, mit der Welt des Theaters. Auf der Bühne durchlebt der Schwarze Künstler seine Transformation zum Soldaten noch einmal. Im Zusammenspiel von Sprache und physischer Kraft des Schlagwerks sucht er sein Verhältnis zur Gewalt. Aus den provokanten Analysen und Akkordeon-Songs des Künstlers, Kurators und angehenden Gruppenanalysten Julian Warner sowie den Rhythmen von Markus Acher entsteht so ein hochaktueller, scharfsinniger und mitreißender Abend für kritische Theatergänger*innen und Musikfans, für Fanon-Nerds und -Neulinge.
Dauer: 50 Min. | am 12.06. zusätzlich 60 Min. Gespräch, das Teil der Vorstellung ist
Sprache: Deutsch, Englisch und Französisch mit jeweiligen Übersetzungen in deutsche, englische und französische Untertitel
Credits
Konzept, Performance, Musik: Julian Warner
Musik & Live-Schlagzeug: Markus Acher
Stimme: Veronica Burnuthian
Dramaturgie: Veronika Maurer
Technik on tour: Simon Vorgrimmler
Licht, Technik: Dennis Dieter / Dita Kopp
Künstlerische Produktionsleitung: Sabine Klötzer
Übersetzungen: Veronica Burnuthian, Anna McCarthy
Eine Produktion von Studio Julian Warner in Koproduktion mit Belluard Bollwerk, Kaserne Basel, Donaufestival Krems, Burg Hülshoff – Center for Literature, Theater RAMPE (Stuttgart), Münchner Kammerspiele, studiobühneköln. Entstanden dank eines Kulturförderbeitrags des Kantons Freiburg.
In der Performance werden Rassismuserfahrungen thematisiert. Dabei werden auch rassistische Äußerungen wiedergegeben. Es geht außerdem um Kolonialismus, Kriegserfahrung und Psychiatrieerfahrung. Am ersten Vorstellungsabend findet ein Gespräch im Anschluss an den performativen Teil statt, dass Teil der Aufführung ist. Dieses Gespräch ist partizipativ. Im Stück kommt teilweise lautes Schlagzeug vor.
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